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Therapeutisches Reiten
Nicht nur das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde…auch Gesundheit
Wohlbefinden und Selbstbewusstsein können die braven Vierbeiner Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen erneut vermitteln. Lebenskrisen, psychische Störungen, Haltungsschäden und zum Beispiel Autismus können durch die Arbeit mit den Tieren verändert und verbessert werden.

Das Therapiepferd
Für die Therapie ist nicht jedes Pferd geeignet. So kommen Pferde, die ein Stockmass von mehr als 1,60 m haben, nicht in Frage, da ansonsten der Umgang zwischen Patient und Pädagogen erschwert wird. Ausserdem sollte das Pferd einen breiten und muskulösen Rücken besitzen, damit der Patient gut und bequem sitzen kann. Ein weicher Gang, vor allen Dingen hier der Trab, tun ein Übriges, um sich auf dem Rücken des Tieres wohl zu fühlen. Die kleinen und stämmigen Haflinger sind beispielsweise hervorragend für diese Arbeit geeignet, denn sie besitzen neben den schon genannten körperlichen Attributen auch die Nervenstärke, das gutmütige Wesen und die Menschenfreundlichkeit, die unabdingbar sind für diese wichtige Arbeit. Natürlich sollte ein Therapiepferd auch wissen, dass der Mensch das „Leittier“ ist, denn nur so kann man sich darauf verlassen, dass das Tier auch in schwierigen Situationen leicht zu lenken und zu führen ist. Gute Therapieinstitute lassen die künftigen Therapiepferde bei sich aufwachsen und bilden sie behutsam und gewissenhaft aus.

Der Therapeut
Die therapeutische Arbeit mit den kleinen und grossen Patienten übernehmen Pädagogen (Sozialpädagogen, Heilpädagogen, Erzieher), die ausserdem eine Zusatzausbildung als Reit- oder Voltigierwart haben müssen. Berufsbegleitend kann man sich danach dann als Reittherapeut ausbilden lassen.

Heilpädagogisches Reiten
Die Pflege des Pferdes, die Arbeit im Stall, das Reiten und der ganze Umgang mit diesem Lebewesen fordert den Menschen in seiner Ganzheit. Alle Sinne werden angesprochen. Schon allein die Pflege des Tieres hat pädagogischen Wert, gilt es doch, Verantwortung zu tragen und alle Arbeiten, wie zum Beispiel Hufpflege, Striegeln etc. gewissenhaft auszuführen. Der Kontakt mit dem Pferd, das Berühren des warmen Körpers, der Geruch des Vierbeiners, der Blick in die grossen Augen bedeutet für in sich gekehrte Menschen soziale Wärme und stärkt das Selbstbewusstsein.

Voltigieren in der Heilpädagogik
Das Voltigieren ist besonders für Menschen mit körperlichen Behinderungen geeignet. Der Therapeut führt dabei das Pferd an der Hand oder der Longe. Mit kleinen gymnastischen Übungen auf dem Pferd werden Geschicklichkeit und Spass gefördert, um so dem Patienten ein gutes Körpergefühl und Vertrauen in die eigene Beweglichkeit zu vermitteln. Das gleichmässige Auf und Ab des Pferdekörpers wiegt den Patienten dabei sanft und wirkt krampflösend und entspannend. Dies ist besonders für Menschen mit spastischen Lähmungen wohltuend, so dass in der Regel am Ende der Therapiestunde eine deutliche Lockerung der verkrampften Extremitäten zu erkennen ist.

Wohltuend für Körper und Geist - die Hippotherapie
Die Hippotherapie ist ein geeignetes Mittel in der Physiotherapie, um zum Beispiel halbseitig gelähmten Menschen wieder ein gutes Gefühl zu ihrem Körper zu vermitteln. Stark verkrampfte Muskeln werden gelockert, schlaffe Muskeln werden angespannt. Das Pferd geht dabei in der Gangart Schritt, wobei sich die Bewegung des Tieres auf den Menschen in entspannender Weise überträgt. Beaufsichtigt wird diese Therapie von einem Reit- und Physiotherapeuten.

Die Kosten
Während die Hippotherapie in Deutschland und im benachbarten Ausland nicht von den Krankenkassen übernommen wird, hat die Schweiz erfreulicherweise den Nutzen dieser Behandlung erkannt und trägt die Kosten. Das Heilpädagogische Reiten und das Voltigieren müssen teilweise privat bezahlt werden; zu einem anderen Teil werden die Kosten im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe — hier insbesondere auch bei Heimerziehung — übernommen. Es bleibt zu hoffen, dass die genannten Therapien mit unseren tierischen Helfern, die nicht nur einen enormen Nutzen für den Körper, sondern auch für Geist und Seele haben, bald Einzug in den Leistungskatalog der Krankenkassen halten. So könnten auch weniger gut situierte Kranke daran teilhaben.


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